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„Gemeinsam stark“ – Der Kita-Kongress der ConSozial im Zeichen von Demokratie und Vielfalt

Verfasst von Koordinierungsstelle

Die Koordinierungsstelle hat auch dieses Jahr die ConSozial in Nürnberg besucht und sich beim angeschlossenen Kita-Kongress neuen Input geholt. Passend zum diesjährigen Motto des Kongresses „Gemeinsam stark“ waren die Themen Demokratie und Vielfalt im Programm prominent vertreten, sodass die Auswahl schwer fiel.

Schon beim Grußwort von Joachim Feichtl, Sprecher des Teilbereichs Kinder der Freien Wohlfahrtspflege Bayern und Referent bei der AWO Bayern, wurde deutlich, dass die (Weiter-)Entwicklung einer partizipativen, inklusiven Haltung zu den zentralen Anforderungen an eine qualitätsvolle Kindertagesbetreuung gehört. Diese als Aufforderung zu verstehende Feststellung erntete großen Applaus von den anwesenden Fachkräften und Kita-Leitungen. In ihrem sich anschließenden Auftaktinput beleuchtete Petra Wagner (Institut für den Situationsansatz) die „bildungspolitische Großbaustelle“ Inklusion etwas ausführlicher. Inklusion definierte sie dabei in einem weiten Sinne als eine umfassende Bewegung zur Herstellung von Bildungsgerechtigkeit. Als ein Instrument zur Entwicklung einer inklusiven Alltagspraxis stellte sie dann das von ihr aus dem US-amerikanischen Anti-Bias-Ansatz entwickelte Konzept der Vorurteilsbewussten Bildung und Erziehung vor. Das Konzept sieht einen Zweischritt aus einem kompetenten Umgang mit Unterschieden und einem klaren Nein zu Ausgrenzung vor. Um diese Ziele zu erreichen, braucht es neben Wissenserweiterung (über Familienkulturen) Selbst- und Praxisreflexion.

Der vermeintlich inhaltlich anknüpfende Impulsvortrag von der Entwicklungspsychologin Dr. Berrin Özlem Otyakmaz entpuppte sich trotz ähnlich lautenden Titels („Familienkulturen erkennen und anerkennen“) eher als Kontrastprogramm zu Wagners Ansatz und stand stärker im Geiste einer kultursensitiven Pädagogik. Dr. Berrin Otyakmaz stellte die Ergebnisse verschiedener kulturvergleichender Studien dar, um einen Eindruck der unterschiedlichen (national)kulturellen Erziehungsstile und -praktiken von Eltern zu vermitteln. Problematische Pauschalurteile über „türkische Eltern“, „chinesische Familien“ und „indische Mütter“ ließen sich dabei leider nicht vermeiden. Das Ziel des Vortrages sollte es sein, Fachkräfte dazu anzuregen, auf als abweichend wahrgenommenes elterliches Erziehungsverhalten statt mit pauschaler Ablehnung mit einer Reflexion der eigenen Vorstellungen und Erkundung der elterlichen Perspektive zu reagieren.

Auch in dem Vortrag von Ursula Winklhofer (DJI) spielte die Reflexion der eigenen Praxis eine zentrale Rolle. Als Instrument dazu stellte die Sozialpädagogin die Reckahner Reflexionen zur Ethik pädagogischer Beziehungen vor, die ein Ergebnis der regelmäßigen Expert*innen-Treffen des Arbeitskreises Menschenrechte im Rochow-Museum in Reckahn sind. Ursula Winklhofer, selbst Mitglied des Arbeitskreises, machte deutlich, dass die Reckahner Reflexionen zur Förderung einer menschenwürdigen Gestaltung pädagogischer Beziehungen beitragen wollen. In Form von zehn Leitlinien formulieren sie kurz und knapp, welches pädagogische Handeln ethisch begründet ist (z.B. „Kinder und Jugendliche werden wertschätzend angesprochen und behandelt.“) und welches Verhalten als ethisch unzulässig abzulehnen ist (z.B. „Es ist nicht zulässig, dass Lehrpersonen und pädagogische Fachkräfte auf das Verhalten von Kindern und Jugendlichen herabsetzend, überwältigend oder ausgrenzend reagieren“). Mit ihrer kinderrechtlichen Fundierung lassen die Reckahner Reflexionen deutliche Anknüpfungspunkte zu den Themen Partizipation und Beschwerdemanagement erkennen, erfordern aber – und das wurde auch in der anschließenden Diskussion deutlich – Konkretisierung durch eine intensive Beschäftigung im Team.

Zu guter Letzt lauschten wir noch dem Vortrag von Marion Lepold zum Thema „Bildungs- und Erziehungspartnerschaft 4.0“. Die Sozialpädagogin, die derzeit zur Mediatisierung frühpädagogischer Dokumentation promoviert, gab einen kenntnisreichen Einblick in unterschiedliche digitale Tools zur Erleichterung der Kommunikation mit Familien. Eingangs machte sie deutlich, dass WhatsApp, Facebook und Instagram für die Kommunikation zwischen Fachkräften und Eltern nicht verwendet werden sollten. Anschließend wurden verschiedene Alternativen aufgezeigt, wobei Marion Lepold zwischen Tools für die Bildungskommunikation (z.B. dokulino, nemborn und stepfolio) und solchen für die Elternkommunikation (wie care, kigaklick, Kita Info, niflosa etc.) unterschied. Daneben besteht mit dem neuen Tool Stramplerbande noch ein weiteres Tool zur Vernetzung von Eltern mit Sozialraumbezug. Da auch in unserem Projektkontext die Zusammenarbeit mit Eltern eine wichtige Rolle spielt und dabei auch die Frage aufkam, ob und wie durch digitale Kommunikation die Beteiligung von Eltern erhöht werden kann, waren wir besonders neugierig darauf, ob es wissenschaftliche Erkenntnisse dazu gibt. Marion Lepold machte deutlich, dass es dahingehend noch kaum empirische Befunde gibt. Kitas, die Zusammenarbeit mit Eltern auch auf den digitalen Bereich ausweiten wollen, empfiehlt sie, zunächst ein entsprechendes Konzept zu erarbeiten und die eigene Haltung zu entsprechenden Medien zu reflektieren, bevor ein entsprechendes Tool angeschafft wird.

Die meisten Präsentationen der Vortragenden sind bereits online abrufbar.