KTK-Fachtagung beleuchtet Wertehaltungen im Kontext von Demokratie und Vielfalt

Verfasst von Matthias Colloseus, KTK

Im Teilprojekt „Demokratie in Kinderschuhen. Mitbestimmung und Vielfalt in katholischen Kitas“ hat der KTK-Bundesverband am 12./13. September eine Fachtagung in Fulda veranstaltet. Unter dem Titel „Haltung prägt Handeln“ kamen über 100 Fachleute zusammen, zum größten Teil Einrichtungsleitungen aus Mitgliedseinrichtungen des KTK, aber genauso Fachberatungen und Vertreterinnen von Diözesan-Caritasverbänden und Vertreterinnen der ZWST, der AGJ und der Diakonie Deutschland im Kooperationsprojekt.

Bereits in der Eröffnung unterstrich der Vorsitzende des KTK-Bundesverbands, Domkapitular Clemens Bieber, dass das Selbstverständnis und konfessionelle Profil katholischer Kitas mit politischer Positionierung gegen Gleichwürdigkeit und Offenheit für Vielfalt unvereinbar sind.

Dies bestätigen auch erste Ergebnisse einer Befragung von über 5.000 in katholischen Kitas beschäftigten Fachkräften, welche im Mai/Juni 2018 im Rahmen des Projekts durchgeführt worden war. Die Ergebnisse, die bei der Fachtagung vorgestellt wurden, zeigen eine weitgehende Einigkeit darüber, dass Familien unabhängig von ihrer Lebensform in gleicher Weise angenommen werden, dass auch alle Kinder in Kitas willkommen sind und dort diese Offenheit lernen. Gleichzeitig wurde deutlich: In der konkreten Umsetzung ist das Bild heterogener und das Ziel einer selbstverständlichen Kindermitbestimmung bei allen die Kinder betreffenden Entscheidungen noch nicht erreicht. Dabei fällt auf, dass Bestrebungen zu mehr Kindermitbestimmung und sozialraumorientierte Arbeit, die auf die Teilhabe der Familien zielt, oft Hand in Hand gehen. Als besonders erfreulich kann vermerkt werden, dass eine positive Korrelation zwischen der Demokratisierung von Einrichtungen und dem Wohlbefinden der pädagogischen Mitarbeitenden besteht.

Die anschließende Diskussion wurde von einem Podium mit Vertreter*innen der Orts-, Diözesan- und Bundesebene eingeleitet. Es zeichnete sich ab, dass auf jeder dieser Ebenen derzeit viel bewegt wird, ohne dass jemand glaubt, einen bestimmten Grad an Mitbestimmung und Vielfaltssensibilität erreichen zu können, ab dem eine Weiterentwicklung unnötig wäre. Insbesondere das Plenum machte auch deutlich, dass die Notwendigkeit gesehen wird, Partizipation auf allen Ebenen strukturell zu verankern, um sie auch gegenüber Kindern und ihren Familien glaubwürdig vertreten zu können. Das sei in den Strukturen, in die katholische Kitas eingebunden sind, nicht überall ein Selbstläufer.

Petra Wagner betrachtete im Anschluss das Projekt aus dem Blickwinkel des von der Fachstelle Kinderwelten entwickelten Ansatzes der vorurteilsbewussten Bildung und Erziehung. Dabei beleuchtete sie insbesondere die Verknüpfung von Demokratie und Diversität und definierte Inklusion als einen Beitrag zur Demokratie. Auch sie betonte, dass mit dem Ziel der Inklusion das Bildungssystem auf allen Ebenen umgestaltet werden muss – politisch (Makroebene) ebenso wie auf Trägerseite (Mesoebene) und in der Gestaltung der pädagogischen Praxis in Kitas (Mikroebene). Als Praxiskonzept ziele die vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung vor allem darauf ab, die Mikroebene, also das konkrete Interagieren der pädagogischen Fachkräfte miteinander, mit Kindern und ihren Familien, inklusiv zu gestalten. Dabei verbinde es Diversitätsbewusstsein mit Diskriminierungskritik und rege „inklusive Blickschärfungen“ an.

Stefanie Drescher vom Deutschen Kinderhilfswerk stellte am zweiten Tag nach einem geistlichen Impuls das Projekt „bestimmt bunt – Mitbestimmung und Vielfalt in der Kita“ vor, unterstützt von Kurzfilmen, die in diesem Projekt entstehen. Thematisch ähnlich ausgerichtet wie „Demokratie in Kinderschuhen. Mitbestimmung und Vielfalt in katholischen Kitas“ arbeitet „bestimmt bunt“ seit September 2016 mit Modell-Kitas.

Diese Beiträge bildeten die Grundlage für insgesamt sieben Arbeitsgruppen. Die Teilnehmenden tauschen zu geschlechtersensibler Pädagogik, unterstützenden und hinderlichen Faktoren von Kindermitbestimmung, dem Zusammenhang von pädagogischen Zielen und strukturellen Voraussetzungen, vielfaltsbewusster Kinderrechte- und Demokratiebildung, der Förderung von Eigeninitiative mit unterschiedlichen Familien, Diskriminierungen und Rechtspopulismus sowie interkultureller und traumasensibler Arbeit Erfahrungen aus, entwickelten aber auch sehr konkrete Ideen und Vorschläge für den weiteren Verlauf des Projekts und den KTK-Bundesverband.