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Rückblick: didacta 2019

Verfasst von Koordinierungsstelle

Vom 19. bis 23.02.2019 hat in Köln die Bildungsmesse didacta stattgefunden. Auch die Koordinierungsstelle war dabei und nutzte die Gelegenheit, um einige Kita-Veranstaltungen zu besuchen, so beispielsweise die Workshops „Zusammen wachsen – Teamkultur in Kitas gestalten“ und „Mitgestaltung als Basis für Demokratie“.

In seinem interaktiven Workshop führte der Coach Tim Krüger in die Grundlagen der wertschätzenden Teamkultur ein und legte dabei einen besonderen Schwerpunkt auf das Thema Kommunikation als zentralem Ausdruck von Teamkultur. Dabei kamen praktische Übungen zum Einsatz, die sich leicht in Teams umsetzen lassen. Beim sogenannten Ressourcen-Dialog setzen sich beispielsweise zwei Teammitglieder für ca. 20 Minuten an einem einladenden Ort zusammen. Person 1 beantwortet in fünf Minuten die Fragen: Was fällt mir leicht? Was fällt mir schwer? Was sind meine einmaligen Ressourcen, Qualitäten und Stärken? Person 2 hört aufmerksam zu, ohne zu unterbrechen und wiederholt anschließend das Gehörte in zwei Minuten, ohne dabei zu bewerten. Danach werden die Rollen getauscht. Beim praktischen Ausprobieren der Übung im Rahmen des Workshops entstanden spannende Gespräche unter den Teilnehmenden und erhellende Einsichten in die eigene Art zu kommunizieren und die Bedeutung aufmerksamen, wertfreien Zuhörens für eine gelingende Kommunikation. Zum Abschluss gab Tim Krüger den Teilnehmenden folgende Weisheit mit auf den Weg: „Wir haben zwei Ohren, zwei Augen und nur einen Mund. In diesem Verhältnis sollten wir miteinander kommunizieren.“

Der ebenfalls von uns besuchte Workshop „Mitgestaltung als Basis für Demokratie“ wurde von Barbara Leitner moderiert, die als Journalistin und Coach tätig ist. Auch hier spielte Kommunikation eine wichtige Rolle, da die Workshop-Leiterin auch Trainerin für Gewaltfreie Kommunikation ist und sich in ihren Ausführungen immer wieder auf dieses Modell bezog. So machte sie darauf aufmerksam, dass sich der Respekt der Erwachsenen vor der Mitgestaltung der Kinder vor allem in einer dialogischen Haltung manifestiert, in Nachfragen und Zuhören, Neugier, Offenheit und nicht zuletzt in der Klarheit über die eigene Macht und Rolle. Barbara Leitner wies außerdem auf den enormen Gestaltungswillen von Kindern hin und unterstrich, dass Rückzug oder Aggression die Folge von systematischer Nichtbeachtung des kindlichen Willens sind, wobei sie eine Parallele zu aktuellen Entwicklungen auf gesamtgesellschaftlicher Ebene zog. Insofern sollten auch vermeintliche „Störungen“ von Kindern stärker als Äußerungsformen von (nicht-erhörtem) Gestaltungswillen verstanden werden.

Auch am Messestand, an dem wir als Teil des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ gemeinsam mit unseren Kooperationspartnern unser Projekt vorgestellt haben, gab es spannende Einblicke in die Demokratiepraxis in Kitas sowie in die unterschiedliche Gewichtung der Projektthemen in der frühpädagogischen Ausbildung. Als wahrer Besuchermagnet und guter Gesprächseinstieg erwies sich unser selbstentwickeltes „Demokratierad“. Interessierte Messegäste konnten daran ihr Glück versuchen und drei verschiedene Felder (Demokratiefelder, Demokratieimpulse und pädagogische Zeigefinger) „erdrehen“. Zu jeder Feldkategorie gab es Zettelboxen, aus denen die Besucherinnen und Besucher kleine Notizen ziehen konnten. Die Zettel für die pädagogischen Zeigefinger enthielten als Nieten adultistische Aussagen von Erwachsenen, wie bspw. „Dafür bist du noch zu klein!“ oder „Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt.“. Die Demokratieimpulse gaben Anregungen, um Kinder niedrigschwellig im Kita-Alltag oder in Projekten zu beteiligen., wie etwa bei der Wahl des Karnevalsmottos oder der Gestaltung des Kita-Gartens. Die Demokratiefelder – also die Hauptgewinne – beinhalteten Beispiele für gelebte und strukturell abgesicherte Demokratie und Vielfalt in Kindertageseinrichtungen.

Durch das „Demokratierad“ kamen wir mit den Besucherinnen und Besuchern ins Gespräch über unsere Projektinhalte, aber auch über bestehende Herausforderungen und Entwicklungsbedarfe. Es wurde beispielsweise deutlich, wie wichtig es ist, die Themen Demokratie und Vielfalt stärker mit verwandten Diskursen, Initiativen und Projekten, z.B. zu Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE), zu verknüpfen. Außerdem signalisierten viele Fachkräfte, dass die Erfahrungsräume für Demokratie insbesondere in der Grundschule noch ausgebaut werden sollten. Kinder, die Beteiligungserfahrungen in partizipativ arbeitenden Kitas sammelten, würden im eher durchstrukturierten System Schule schnell die Grenzen von Beteiligung erfahren. Daher müsse der Übergang zwischen beiden Systemen fließend(er) gestaltet werden, etwa durch eine engere Zusammenarbeit zwischen Kitas und Grundschulen. Gleichzeitig berichteten Lehrerinnen und -lehrer aber auch von ersten Schritten, eine partizipative Schulkultur zu schaffen – sei es in Form von Klassenräten, Beschwerdetafeln („Meckerecken“) oder Ideenwerkstätten.

Von unserem Besuch der diesjährigen didacta nehmen wir zahlreiche Eindrücke und Anregungen für die weitere Projektarbeit mit. Besonders deutlich ist geworden, welche Relevanz das Thema Demokratiebildung auch im Übergang Kita-Grundschule und für den Ganztag/Hort hat – ein Bedarf, auf den (auch innerhalb des Bundesprogramms) noch die richtigen Antworten gefunden werden müssen.